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Puhdys im Gespräch (aus Melodie & Rythmus 11/1978. Autor: Wolfgang Martin) ![]()
Zum siebten Mal erhielten die Puhdys den Interpretenpreis der Leser des Jugendmagazins "neues Leben". Gastspiele führten die fünf Berliner Musikanten bisher in alle sozialistischen Länder Europas, nach Holland, Belgien, Luxemburg, Finnland, Österreich, in die BRD, nach West-Berlin. 15 Langspielplatten gibt es von den Puhdys im In- und Ausland. Sie waren erfolgreich auf Festivals und Tourneen, wirkten in zwei Spielfilmen mit, hatten mehrere TV-Porträts. Sie standen auf einer Bühne mit internationalen Stars wie Chuck Berry, Alex Harvey, Frumpy, Golden Earring, SBB, Omega oder Udo Lindenberg - und hatten nicht weniger Erfolg. Auch 1978 war ihr Terminkalender voll.
Bleiben wir gleich im Ausland... Mittlerweile habt ihr auch da einen großen Anhängerkreis. Nennt doch ein paar wichtige Stationen der letzten Monate. Das Jahr begann traditionsgemäß mit zwei Konzerten vor heimischem Publikum: im Berliner Friedrichstadtpalast. Unsere letzte LP "Perlenfischer" erschien bei Amiga und Supraphon (CSSR). Im März waren wir gemeinsam mit der Gruppe WIR bei einem großen Konzert in der Westberliner Eissporthalle, das vom BRD-Fernsehen aufgezeichnet wurde. Vor den Weltfestspielen in Kuba hatten wir noch drei erfolgreiche Tourneen in der VR Polen, CSSR und BRD. Nach unserem Urlaub waren wir 10 Tage in Österreich, wo wir in Wien beim Pressefest der "Volksstimme" u.a. mit Omega spielten. Anschließend ging es zum zweiten Mal an die Trasse, und dann wurde unsere neue LP, die Anfang '79 erscheinen wird, im Studio abgemischt. Eure Konzerte haben sich im Verlauf von neun Jahren inhaltlich verändert. Auf welcher Stufe befindet ihr euch, was strebt ihr an, gemessen an euren Erfahrungen im Ausland? Natürlich ist während dieser Zeit vor allem unser Selbstvertrauen gewachsen. Wir haben mit internationalen Rockgrößen auf einer Bühne gestanden und neben ihnen Erfolg gehabt. Die Musik und unsere Texte haben und sollen noch mehr Aussagekraft erhalten. Bestimmte Erfahrungen im Komponieren und auch die Möglichkeiten heutiger Studio-Technik wirken sich aus. Die Technik soll nicht eine Art Selbstzweckfunktion erfüllen, sondern als "Emotionskatalysator" gebraucht werden. Mit einer Anlage kann man laut und leise spielen; das ist bei jedem Titel anders - und so können wir auch mittels unserer Musik unterschiedliche Gefühle beim Zuhörer auslösen. Auf der LP "Sturmvogel" kündigten sich Veränderungen im Puhdys-Sound an, die auf der LP "Perlenfischer" noch deutlicher zu hören sind... ...die Klangvorstellungen haben sich in den letzten Jahren - auch und vor allem wegen der bereits angesprochenen neuen Technik - in der Rockmusik geändert. Natürlich sind auch neue Instrumente hinzugekommen, die wir vor neun Jahren noch gar nicht spielten. Allein die Revolution der Keyboards ermöglichte gänzlich neue Instrumentierungsmöglichkeiten, die auch bestimmte Emotionen beim Publikum auslösen. "Lebenszeit" ist sicher ein gutes Beispiel dafür. Außerdem orientieren wir bei der Konzeption einer neuen LP immer mehr auf länger gültige, in jeder Beziehung einheitliche, geschlossene Tondokumente. Wir versuchen, Klischees zu vermeiden, und wir wollen nicht nur für die Hitparade produzieren. Man kann quasi auf einer LP auch andere musikalische Ambitionen abreagieren, die möglicherwise für den Hörer neu an einer Gruppe sind... Übernahme des Textes mit freundlicher Genehmigung der "Melodie & Rhythmus" |