Report über "Report"
(aus Melodie & Rythmus 6/1989. Autor: Wolfgang Martin)


Foto: Herbert Schulze

...und der beginnt mit einem Glückwunsch: zum 10. Jahrestag der Berliner Gruppe REPORT – mit Mario Hempel (Bassgitarre/Leitung), Hartmut Krischkowsky (Leadgitarre/Gesang/Kompositionen) und Erik Enseleit (Keyboards/Gesang). Die Jubiläumsfeier mit Musikfreunden, "offiziellen Gästen" und wichtigen Leuten der Szene im Berliner "Friedrichshof" bot reichlich Gelegenheit zum Bilanzieren und erinnern.
Im Mai 1979 gründeten die beiden Schulfreunde Mario und Hartmut "Duo Report", das zunächst mit Neil-Young-Songs, Country-Musik und den ersten eigenen Versuchen durchs Land zog. Freilich noch nicht von Rostock bis nach Suhl - zunächst waren da so ein paar Stammklubs, in denen auch nicht auf die totale Professionalität geachtet wurde. Die akustische Variante ihrer Musik ließ sich ganz gut an, der Spaß an der Freude des Musizierens war wohl die Hauptsache. Freunde, die im Rundfunk bei der Studiotechnik arbeiteten, holten die beiden Musiker - mehr zum Experiment für sich selbst - ins Studio, um so ein paar Gitarren-Sounds aufzunehmen. Daraus entstanden gleich zwei fertige Titel, "Alkohol-Blues" und "Vermischungen", vor allem aber der Hunger auf mehr. 1982 folgten - auch mittels Förderung durch die FDJ-Kreisleitung Berlin-Lichtenberg - die ersten Produktionen in einem professionellen Studio; Titel, die dann auch in regulären Rundfunkprogrammen zu hören waren: "Paradies" und "Was soll ich tun" sowie die Instrumentalnummern "Guten Morgen" und "Paraliele". Nunmehr gingen sie konsequent verschiedene Stationen an, um Berufsmusiker werden zu können. Ausbildung an der Musikschule Berlin-Friedrichshain, intensive Beratung durch Fachleute - wie ihren langjährigen Produzenten und Tonregisseur Lothar Kramer, der ihnen mit theoretischen Hinweisen und praktischer Unterstützung in Studioarbeit behilflich war.
Mario und Hartmut feilten an ihrem Stil und Sound, der sich immer mehr von Folk und Country in Richtung Pop und Rock, durchaus auch mit härterem Gitarrenanschlag, weiterentwickelte. Hartmut, der inzwischen selbst Gitarrenunterricht gibt, beschäftigte sich intensiv mit jeder Art von Gitarrenmusik und Gitarristen. David Gilmour und Gary Moore wurden zu absoluten Favoriten, deren Stil er zwar nicht kopieren wollte, die ihm aber immer wieder Anregungen für das eigene Komponieren und Spielen gaben und geben.

Foto: Herbert Schulze

Ein exzellent und mitunter virtuos gespielter Chorus in jedem Report-Song versteht sich von selbst. 1983/84 produzierten sie eine Reihe Lieder im Tonstudio Wilhelmshagen, die vom Rundfunk übernommen wurden ("Noch nicht gebor 'n", "Keine Zeit", "Das Herz schlägt...,") und mit denen sie in 14 Fernsehsendungen auftraten. Wenn sie nun auch vordergründig als Gitarrenband arbeiteten, wurde nach der Armee mit der Neuformierung (Januar `87) nicht nur der Stil konsequenter ausgebaut, auch das Duo zum Trio erweitert. Der heutige Franky-Sänger Simon Stalter drückte fortan zur besseren Live­Transparenz ihrer im Studio ziemlich perfekt eingespielten Titel die Tasten. In dieser Besetzung spielte Report ab Dezember '87 erneut eigene Lieder ein ("Sehnsucht nach Wärme", "Running", "Lichter der Stadt", "Zeit"), die im Rundfunk gut liefen, im Fernseh-"STOP!Rock!" per Video-Clip umgesetzt wurden und nunmehr auf ihrer ersten von AMIGA veröffentlichten Quartett-Schallplatte zu hören sind.
Ab September 1988 ist Erik Enseleit als Keyboarder bei REPORT. Auslandserfahrungen sammelten die Musiker seit 1983, als sie im Rahmen des von der FDJ organisierten Kultursommers in Ungarn vor internationalem Publikum auftraten. Inzwischen waren sie viermal in der UdSSR, kommerziell und an der Trasse, zweimal in der VR Polen. Beim Pfingsttreffen der FDJ im Mai in Berlin stellte Report ihr neues Live-Programm vor, das den spezieller gewordenen Hör- und Sehbedürfnissen des Publikums gerechter werden soll. Popmusik ist für sie eine annehmbare Herausforderung, die Tanzbarkeit ihrer Musik geradezu Notwendigkeit, um beispielsweise auch in Diskotheken live oder per Konserve anzukommen.
Der Geburtstags-Report soll nicht rosarot eingefärbt werden. Die Band hatte neben Erfolgen auch Negativ-Erlebnisse, die teilweise durch eigene Fehler verschuldet wurden. Heute wissen sie, dass jede noch so gut durchorganisierte Medienpräsenz ihre Berechtigung vor allem mit der Qualität der Live-Konzerte beweisen muss. In diesem Prozess haben sie - auch mit Hilfe der richtigen Freunde - inzwischen soviel gelernt, dass einem um die nächsten zehn REPORT-Jahre nicht bange sein muss.




Übernahme des Textes mit freundlicher Genehmigung der "Melodie & Rhythmus"