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Stern Meißen: Die Metamor- phosen einer Zwanzigjährigen (Wolfgang Martin für NEUES LEBEN, 2/1984)
Niemals geändert haben sich jedoch die künstlerischen Ansprüche, die Kriterien für jede einzelne musikalische Wegstrecke - ob in der Beat-Ära zu Zeiten großer Werke oder in der jetzigen Phase - und das Engagement der Musiker, die mit ihrer Arbeit Anteil nehmen wollten und wollen an den großen gesellschaftlichen Veränderungen bei uns, die Stellung beziehen wollen zu den politischen Ereignissen in der Welt, zum internationalen Kampf um die Erhaltung des Friedens. Es gibt dafür sehr viele musikalische Belege, festgehalten auf ihren bisher fünf Langspielplatten. Dabei hatte es 1964 genauso angefangen wie bei zig anderen Gruppen aus dieser Zeit: Ein paar musikenthusiastische Oberschüler hatten unter dem Eindruck der Liverpooler Beatlemania in ihrer Heimatstadt Meißen eine Amateurformation gegründet. Zu den Kuriositäten des Anfangs zählt, dass sich zu jenem Zeitpunkt gerade die Tanzkapelle "Stern-Combo Meißen" auflöste, deren Namen sowie ein Teil des Instrumentariums, einschließlich solcher Utensilien wie Notenpultfahnen mit gesticktem Namenszug, vom noch heutigen Stern-Chef Martin Schreier übernommen wurde. In den ersten Jahren spielte die junge Beatgruppe aus Meißen vor allem internationale Beat Stücke und Rock 'n Roll nach. Und damit zogen sie von einem Tanzsaal zum anderen. Doch immer mehr setzte sich die Idee zu eigenschöpferischer Arbeit durch. Potenzen gab es genügend in der Gruppe, auch die handwerklichen Voraussetzungen waren da.
Alle Stern-Musiker haben eine solide Ausbildung an den Musikhochschulen in Dresden, Weimar und Berlin absolviert. Dank einer kritischen Einstellung zu den verschiedenen Entwicklungstendenzen der Rockmusik, der schöpferischen Auseinandersetzung - auch mit technischen Belangen - und nicht zuletzt dem Suchen nach aussagestarken Texten, gelang es der Gruppe, ein unverwechselbares Profil zu entwickeln. Und so folgten auch bald Rundfunk- und Schallplattenproduktionen, Auslandsgastspiele, Preise und Anerkennungen (im April 1981 der Kunstpreis der DDR). Stern-Konzerte sind immer wieder eine Attraktion für sich. Mit ihren groß angelegten Werken, seien es die Klassik-Adaptionen oder eigene Angebote (etwa das "Weiße Gold", die "Reise zum Mittelpunkt des Menschen") und mit Titeln wie "Kampf um den Südpol", fanden die Musiker um Martin Schreier mit den Jahren immer wieder neue Anhänger. Das Spektrum reicht bis zu den Liedern der Gegenwart, etwa die ihrer LP "Stundenschlag", die eine neuerliche musikalische Richtungsänderung bedeutete. Wobei Stern Meißen in jeder Phase bestimmte Wurzeln ihrer Entwicklung immer berücksichtigt hat, zum Beispiel was die Rhythmusstrukturen betrifft. In ihre wohl komplizierteste Phase trat die Gruppe Anfang `83, als es zu einer erheblichen Verjüngungskur kam, die auch musikalische Konsequenzen nach sich zog. Doch das gesunde Verhältnis von kritischer Einstellung zu sich selbst und gegenseitigem Vertrauen von Musikern und Publikum führten auch jetzt wieder zum Erfolg. Stern Meißen arbeitet wohl mit der leistungsfähigsten Rhythmusgruppe in unserem Land. Die musikalischen Ideen fließen aus vielen Köpfen, so dass auch ein neues Stadium kollektiver Arbeit erreicht ist. Mit Titeln wie "Leben möcht' ich", "Wir sind die Sonne", "Deine Augen" und "Was fang ich an" ist Stern Meißen zwar vorerst zur Arbeit mit kürzeren Stücken zurückgekehrt, aber auch dies werden in bester Qualität geliefert und finden große Publikumsresonanz. Belassen wir diese Feststellung als Plädoyer für die Richtigkeit ihres Weges und wünschen wir ihnen, dass sie in den nächsten "20" immer wieder nach neuen Sternen greifen mögen. |