(aus Melodie & Rythmus 11/1976, Autor: Monika Fehlberg)





Dass Veronika Fischer beim "Goldenen Orpheus" und beim Internationalen Liederfestival in Sopot aufgefallen ist, bestätigen zwei Preise. Was aber ist Veronika Fischer bei den Festivals aufgefallen?
Es waren unterschiedliche Festivals. Das in Sopot ist moderner, glaube ich. Beim Orpheus ging's ein bisschen konservativer zu; alles wurde sehr getragen und dramatisch dargestellt. Auf jeden Fall war unsere Art in Sopot besser angebracht, und es war natürlich auch ein Vorteil, dass ich dort nicht solo wie in Bulgarien, sondern mit der Band auftreten konnte. Aber es war gut, an beiden Festivals teilzunehmen, auch um populärer zu werden, internationale Angebote zu bekommen. Außerdem haben wir dort Fernsehaufzeichnungen gemacht, was sicher nützlich gewesen ist.

Die Jahre 1975 und 1976 sind für VERONIKA FISCHER & BAND überaus erfolgreich verlaufen. Welche Pläne gibt es?
Wir wollen zunächst an unsere zweite LP denken, die gerade erarbeitet wird; sie soll im Frühjahr 1977 erscheinen. Natürlich machen wir unsere Tourneen durch die DDR weiter, und es wird demnächst wieder nach Ungarn, später noch nach Italien gehen. Für nächstes Jahr haben wir schon eine Reihe von Angeboten, aber darüber möchte ich jetzt noch nicht reden.

Die Titel der Gruppe sind bekannt, und über VERONIKA FISCHER & BAND ist fast alles bekannt. Sprechen wir deshalb mehr darüber, wie sich die Gruppe ihre Erfolge erarbeitet.
Der Erfolg liegt vorwiegend an der Arbeit innerhalb der Band. Franz (Bartzsch) bringt die Ideen und die Kompositionen mit, mal weniger fertig, mal mehr, was auch andere Kollegen tun, z.B. Hansi (Biebl) oder Fränki (Hille) und ich mitunter. Daraus werden dann die Kompositionen von VERONIKA FISCHER & BAND. Momentan wird angestrengt geprobt; da die Zeit dafür meistens knapp ist, wird sehr konzentriert gearbeitet. Natürlich muss auch am fertigen Konzertprogramm immmer noch gefeilt werden, das darf man nicht vernachlässigen, und wir versuchen, nach geraumer Zeit ständig neue Titel einzuordnen, neue Gestaltungsmittel zu finden.

Viel wird gerätselt, ob VERONIKA FISCHER & BAND Schlager singen, Beat machen oder Chansons interpretieren? Welches Genre vertreten Sie Ihrer Meinung nach?
Wir vertreten eigentlich kein Genre konkret. Wir versuchen Musik zu machen, die Qualität hat, die uns Spaß macht, aus einem gemeinsamen Gefühl heraus; und so reicht sie eben vom Schlager bis zum Beat, vom Rock bis zum Lied oder Chanson. Aus all dem entsteht ein Gefüge, das eben unsere Spezialität ist.


Quelle: Melodie & Rhythmus (11/1976)

Allgemein gerühmt wird die Qualität von Text und Musik Ihrer Titel. Stellen Sie selbst Anforderungen, oder ist es ein glücklicher Zufall, der Ihnen gute Texter oder z.B. so einen exzellenten Komponisten wie Franz Bartzsch über den Weg geführt hat?
Ja, Franz ist wirklich ein guter Komponist, der auch mit uns verwuzelt ist. Er braucht uns, wir brauchen ihn. Texter? Kurt Demmler und Ingeburg Branoner sind ausgezeichnete. Wir sind aber sehr wählerisch.

VERONIKA FISCHER & BAND singen durchaus nicht für alle Altersgruppen und nicht für jeden Geschmack. An wen wenden Sie sich, und wie wünschen Sie sich Ihr Publikum?
Ich möchte eigentlich keine Grenzen setzen. Es ist, glaube ich, eine Fehlmeinung, dass wir nur jugendliches Publikum ansprechen. Ich finde es schön, wenn sich auch ältere Menschen unsere Musik anhören, denn wir hören uns ja auch Musik an, die unsere Vorväter gemacht haben. Forderungen, die wir an unser Publikum stellen. Ein aufmerksames und kritisches Publikum, so wie wir es in unserem Titel "Wer bist du" zum Ausdruck bringen.

Eine Gewissensfrage: Wie erklären Sie selbst den großen Erfolg, den VERONIKA FISCHER & BAND seit ihrer Formierung errungen haben?
Das ist gar nicht so leicht zu sagen. Wir haben nicht auf den Erfolg hin gearbeitet, etwa unter dem Motto: jetzt machen wir eine Musik, die noch fehlt und die die Leute hören wollen. Wir haben einfach angefangen, wie ich schon sagte, unsere Musik zu machen nach dem Gefühl, und wir hatten vielleicht ein bisschen Glück, dass diese Musikrichtung neu für das Ohr war. Im ersten halben Jahr haben wir nur entwickelt, und in dieser Zeit hätten wir manchmal ganz schön alt ausgesehen, wenn wir nicht Unterstützung vom Komitee für Unterhaltungskunst bekommen hätten.

Gibt es Komponisten, Interpreten, die Sie besonders schätzen und warum?
Natürlich! Von meiner Gruppe brauche ich nicht zu sprechen, meine Kollegen schätze ich ebenso als Musiker wie als Freunde. Aus meiner "Vorzeit" möchte ich noch Ulli Swillms und Konrad Körner nennen. Natürlich gibt es auch einige ausländische Musiker und Sänger, die ich mir in jüngeren Jahren mal als Vorbild genommen habe. Aretha Franklin und Janis Joplin zum Beispiel. Dann haben mir vor allem Gisela May und Hildegard Knef immer gut gefallen. Das sind Künstlerinnen, die mir in einer anderen Richtung, vom darstellerischen, etwas gegeben haben; denn ich möchte nicht schlechthin Sängerin sein, sondern ein Interpret, bei dem alles stimmt, wenn er auf der Bühne steht. Angefangen bei Text und Musik bis hin zur Garderobe.





Übernahme des Textes mit freundlicher Genehmigung der "Melodie & Rhythmus"