Als Eric Burdon mir die Hand gab...

Anfang der 70er Jahre, während meines Studiums, spielte mir ein Mitstudent aus Ungarn auf seinem Tesla-Tonbandgerät eine LP vor, welche er zu Hause auf Band in Stereo überspielt hatte. Die LP war von Eric Burdon and The Animals. Damals war man ja in erster Linie Beatles- und (oder) Stones-Fan. Von den Animals hatte ich auch schon Musik gehört, „House Of The Rising Sun“ gab es sogar in der DDR schon in den 60er Jahren als Aufnahme mit Manfred Krug und dem Franke-Echo-Quintett, das Original hörte ich erst wenig später auf Sendern, die man eigentlich nicht hören sollte. Die besagte LP auf dem Tonband überspielte ich mir sofort auf mein Bandgerät, allerdings nur in Mono. Zig mal habe ich sie mir angehört und von nun an war ich begeistert von der Stimme und der Ausdruckskraft des Sängers Eric Burdon. Burdon hat selbst über sich gesagt, er habe zwar weiße Hautfarbe, fühle aber so als sei er schwarz. Mein Tonbandgerät und auch die Bänder existieren schon lange nicht mehr. Nach der Wende habe ich beim Stöbern in CD- oder Plattenläden auch immer wieder nach dieser Scheibe Ausschau gehalten, vergeblich.
Im Jahre 2001 hingen hier im Landkreis Dahme-Spreewald und angrenzenden Regionen Plakate, welche ein Konzert von Eric Burdon and The New Animals ankündigten. Das Ganze fand statt im Rahmen der „San Franzisco Nights“-Tour, und Ort der Veranstaltung sollte die Mehrzweckhalle im Städtchen Mittenwalde sein, südlich von Berlin. Eine Eintrittskarte bekam ich noch an der Abendkasse. Die Mehrzweckhalle Mittenwalde wird als Sporthalle, aber auch für Veranstaltungen genutzt. Stars der volkstümlichen Musik, des Schlagers, aber auch der Rockmusik traten hier schon auf. Etwa 2 Jahre zuvor waren Uriah Heep und Nazareth mal da. Vor Eric Burdon trat an diesem Abend noch sozusagen als Vorband eine junge Sängerin aus New York auf, sie hieß Rachel Sage. Das war ein schlankes Mädchen in einem langen Kleid mit viel Glitzer, sie saß hinter einem digitalen Piano und sang ihre Songs. Begleitet wurde sie von drei jungen Musikern, Gitarre, Drums und Bass.
The Animals (1964)
Nach einem kleinen Umbau waren nun Eric Burdon und seine Musiker an der Reihe. Ein Keyboarder, ein Gitarrist, ein Bassist und ein Drummer gingen zu ihren Instrumenten und begannen zu spielen, während Eric Burdon unter Beifall die Bühne betrat. Der erste Titel hieß „Don’t Let Me Down“. Eric Burdon hatte damals schon das 60. Lebensjahr vollendet, er sah aber im Wesentlichen so aus, wie man ihn von Fotos oder aus dem Fernsehen kannte. Die ursprünglich langen Haare waren jetzt ganz kurz aber die Stimme war noch immer die kraftvolle... mal leise singend, mal brüllend. Mit vollem Einsatz sang er seine Titel aus den alten Animal-Zeiten wie „Boom Boom“ (von John Lee Hooker), "When I was Young", „Don’t Let Me Be Misunderstood“, „We Gotta Get Out Of This Place“, "It’s My Life", “See See Rider” und auch “House Of The Rising Sun” gab es zu hören. Der Saal war gut gefüllt, was nicht bedeutete, es war gerammelt voll. Man konnte sich noch frei bewegen. Etwa bis Mitte des Konzertes hatte ich es geschaft, mich bis vor die Bühne vorzuarbeiten. Nun konnte ich Eric Burdon und seinen Musikern aus ca. 2 bis 3 Metern zusehen. Vor der Bühne war keinerlei Absperrung, manch einer hatte sein Bierglas auf dem Bühnenrand stehen. Ein Fan (offenbar schon leicht angetrunken) begann plötzlich, mit Eric eine Diskussion zu führen, aber aus Verständigungsgründen beendete dieser das Zwiegespräch kurzerhand und setzte sein Konzert fort. Er sagte, daß dies hier in Mittenwalde das letzte Konzert der Tournee sei. Sein Keyboarder Martin Gerschwitz übersetzte es ins Deutsche, denn er stammt aus Deutschland Besagter Martin Gerschwitz spielte nicht nur die Tasteninstrumente, bei „When I Was Young“ strich er auch die Violine. Eric Burdon und seine Mannen brachten dem Publikum auch noch „Good Times“, „Sky Pilot“ und den Stones-Titel „Paint It Black“ zu Gehör. Was sie nicht spielten war der Titelsong Ihrer Tournee, "San Franzisco Nights", und von dem besagten Album, welches ich noch immer suchte, gab es auch nichts.
Gegen Ende des Konzertes war Eric Burdon schweißgebadet. Seine Haare waren total nass und man sah Schweißtropfen über sein Gesicht laufen. Natürlich gab es noch eine Zugabe, bevor Eric einem ca. 12 Jahre alten Jungen, der mit seinem Vater vor der Bühne stand, sein Tamburin schenkte. Abschließend kam er noch an den Bühnenrand und verabschiedete sich von den dort stehenden Fans mit Handschlag.
Im Dezember 2004 sah ich Eric Burdon nochmals kurz als Gast in Udo Lindenbergs Konzert in der Max-Schmeling-Halle. Zusammen mit Udo sang er wie schon viele Jahre zuvor bei Lindenbergs Tournee „Dröhnland-Rhapsodie“ den Titel „We Got To Get Out Of This Place“ und danach noch einen Titel seiner aktuellen CD „My Secret Live“. Diese CD und die in diesem Jahrzehnt von Eric Burdon veröffentlichten Alben „Soul Of A Men“ und „Athen’s Traffic“ stehen in meinem CD-Regal. Letzteres ist ein Live-Album zusammen mit einer Bonus-DVD.
Eines Tages, vor nicht allzu langer Zeit, fand ich beim Stöbern im Angebot eines bekannten Internet-Versandhauses anhand der Titelliste auch die Scheibe, die ich schon lange suchte. Auf dieser CD sind Titel wie „River Deep - Mountain High“, I’m An Animal“, „Ring Of Fire“ und weitere, überwiegend von anderen Autoren gecoverte Werke. Die Platte heißt „Love Is“, erschien 1968 und wurde in den USA aufgenommen und produziert.
Eric Burdon hatte bei seinen Animals (bzw. New Animals) wieder personelle Wechsel vorgenommen. So hatte er in die Band den damals noch sehr jungen Gitarristen Andy Summers geholt, dieser spielte später bei The Police. Allerdings löste er nach einer Japan-Tournee noch im gleichen Jahr die Animals auf. Nach einer kurzen Zusammenarbeit mit der amerikanischen Band WAR beschritt Eric Burdon dann mehr oder wenig erfolgreich Solopfade. Es gab aber auch wieder zwischenzeitliche Zusammenarbeit mit Mitgliedern der ehemaligen Animals-Besetzungen. Die Band, mit der Eric Burdon seit Beginn dieses Jahrzehnts tourt, nannte er wieder „New Animals“, die Besetzungen wechseln hin und wieder. Das Album „Love Is“ von 1968 war mehrere Jahre nicht auf dem Markt, daher habe ich es auch nicht gefunden. Erst vor wenigen Jahren erschien es auf CD.