Die WER??? - The WHO!!!
Als mir während meiner Penne-Zeit die zwei Akkorde von "My Generation" aus dem Dampfradio um die Ohren gehauen wurden, habe ich alles andere, was mir als Pop und Beat bis dato lieb und teuer war, in die Ecke gestellt. Dieser Song ist für mich bis heute noch immer die Quintessenz all dessen, was Rockmusik sein darf: Ehrlich, anders und gefühlvoll. In diesen 3:23 war alles ausgedrückt und heraus geschrie'n, auch wenn die WHO weitere Glanznummern quasi am Fließband nachlegten, so einen Rohdiamanten haben sie nie wieder hinbekommen. Nur noch ein einziges Mal haben sie mit "Won't Get Fooled Again" das gleiche Gefühl authentisch formulieren können. THE WHO waren seit 1965 meine Idole. Andere auch, sicher, aber bei den WHO wäre ich bereit gewesen, auch mal blind einfach nur JA zu sagen. Dieser Townshend lebte im wahren Leben das aus, was ich still in mir drin kaum zu denken wagte, und die Band war etwas, was so organisch miteinander harmonierte und so viel Gegensätzlichkeit ausstrahlte, daß einem Angst und Bange wurde, aber auch die blanke Lust im Auge schillerte. Nur die legendären "Small Faces" mit ihrem Sänger, Gitarristen und Songschreiber Steve Marriott erreichten anfangs vergleichbare Explosivität. Meine erste WHO-LP war "Who's Next" mit dem Teufelsgeiger DAVE ARBUS von EAST OF EDEN bei "Baba O'Riley". Die habe ich damals nächtelang unter Kopfhörern durchgehört. Im Laufe der Jahre hat mir mein DAVID alle WHO-Platten geschickt und sein Bruder TOMMY hat eigens für mich mit der Schreibmaschine und mit Fotos aus Englischen Musikzeitungen ein Buch über die Geschichte der WHO "geschrieben" (siehe Foto rechts). Was wäre das Leben ohne richtige Freunde ??
Meinen Wunsch, diese Band wenigstens ein einziges Mal live zu erleben, hatte ich mit dem Tod des virtuosen Drummers Keith Moon im September 1978 begraben, um ihn dann ab 1990 wieder auszubutteln. Es sollte aber noch bis 29. Juli 1997 dauern, bis sich dieser Wunsch, wenn auch ohne Keith Moon, erfüllen sollte. THE WHO spielten die komplette "Quadrophenia" sowie einige ihrer frühen großen Hits live in der (West)Berliner Deutschlandhalle, kurz bevor selbige geschlossen werden sollte. Für Georg, meinen langjährigen und ebenfalls musikbegeisterten Freund, und mich stand fest: "dort müssen wir hin". Wer weiß, ob wir diese Gelegenheit je wieder haben würden - damals hatten wir keine Ahnung, wie recht wir behalten sollten. Meine damals 17jährige Tochter Claudia hatte ich überredet, diese Chance, von der sie keine Vorstellung hatte, zu nutzen. Mein Sohn Michael hatte aus pupertären Gründen "abgesagt" und meine "Argumente", ihn zum Mitkommen zu bewegen, waren wohl auch keine, leider. Wir erlebten damals die furiose Live-Aufführung des Rock-Spektakels mit Pete Townshend, den einzig wahren Windmühlengitarristen, mit Roger Daltrey am Lasso-Mikrofon und John Entwistle, dem "Donner-Finger" am Baß. Als Gast saß kein geringerer als Ringo's Sohn Zak Starkey an den Drums, der eine gute Kopie von Keith Monn abgab, und als Gastsänger hatte die Band wahlweise P.J. Proby, den wir beim ungewollten Bühnensturz erlebten, und Billy Idol verpflichtet. Wer sich in der Rock-Historie auskennt, weiß um die Bedeutung von "Tommy" und "Quadrophenia", und den Stellenwert der WHO. Ich saß dort auf den oberen Rängen und habe jeden Ton, jede Geste und jeden der Songs wie ein trockener Schwamm in mich aufgesogen. Den jungen Starkey habe ich bewundert, wie präzise und mit welcher Wucht er den viel zu großen Spuren eines Keith Moon folgte und gemeinsam mit Entwistle am Bass, den typischen WHO-Puls durch die riesige Halle jagte. Mein ganz persönlicher Höhepunkt waren jene knapp 60 Sekunden, in denen John "Thunderfinger" Entwistle den Vier-Saiten-Zupfern weltweit zeigte, wie ein Bass-Solo zu klingen hatte. Die Halle war ein einziger Resonanzraum, als seine Finger zuckenden Gewitterblitzen gleich über die Saiten tobten und ein einziges Inferno krachender Basstöne auslösten - Gott, ich habe John Entwistle spielen sehen !! Im Zugabenteil kommt dann das, worauf natürlich die Fans gehofft hatten. Die Band geht weit zurück in ihre eigene Geschichte und zelebriert einige ihrer Klassiker: "I'm The Face", "Substitute", "Can't Explain", "Won't Get Fooled Again". Als wolle Pete Townshend diese alten Zeiten noch ein einziges Mal heraufbeschwören, deutet er bei "Who Are You" ganz kurz an, was in den 60ern Bestandteil der Show war - einen Augenblick habe ich wirklich geglaubt, jetzt würde er die Gitarre auf dem Boden zerschmettern! Meine Tochter spricht noch Tage danach darüber, kann sich inzwischen aber nur noch sehr vage an das Konzert erinnern. Sie kann aber sagen, dabei gewesen zu sein. Als John Entwistle am 27. Juni 2002 unerwartet in Las Vegas stirbt, bin ich bis ins Mark erschüttert und das Kapitel WHO für mich (eigentlich) abgeschlossen. The WHO ohne den Derwisch Keith Moon war schon schwierig, ohne Entwistle am Baß - unvorstellbar!
Im gleichen Jahr geschieht dann doch das Unvorstellbare. Die WHO gehen wieder auf Tour und geben in Deutschland, auch mit dem neuen Material, Konzerte, eines davon in Berlin. Geplant ist die Freilichtbühne in der Wuhlheide, der Vorverkauf macht dann aber doch ein Umlenken in die ARENA an der Spree notwendig, mitten im Sommer! Georg und ich sind wieder dort, diesmal ist sein Kumpel Roland dabei. Zu dritt kriechen wir in den überhitzten "Kesselraum" der ARENA und lassen uns von den WHO die letzten Schweißreserven mittels einer Energie versprühenden Show ausschwitzen. Wir erleben THE WHO in blendender Verfassung sowie mit einem exzellenten PINO PALLADINO am Baß, der dennoch kein Entwistle sein kann, sowie Zak Starkey (dr), Simon Townshend (guit), Pete's jüngerer Bruder, und John "Rabbit" Bundrick (keys). Dieser typische Baß, sowie natürlich Keith Moon, fehlt nicht nur mir, und dennoch stehen dort vorn die einstigen Ikonen einer ganzen Generation, an Jahren und Erfahrungen gereift, wie wir, die leicht ergrauten Fans. Das wird hoffentlich auch noch lange so bleiben, denn wenn THE WHO fehlen sollten, fehlt auch die "Quintessenz der Rockmusik" und damit einer ihrer Quell-Codes: "Pick up your guitar and play - just like yesterday and I'll get on my knees and pray - We Won't Get Fooled Again!" Foto Impressionen: ![]() ![]() ![]() ![]() ![]()
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